Oliver Ross: HOLZ UND BROT UND ZEIT // 20.2. – 1.3.2026

 

 

 

 

 

Die Bilder, die im Keller des hinterconti projiziert werden, entstammen einem Ordner auf meinem Rechner. Dieser Ordner heißt seit mindestens 20 Jahren Holz und Brot. Zu sehen sind beispielsweise Gehirne, Atompilze, Frühstückseier, Maschinenteile, eingescannte Brotscheiben oder auch digitale Collagen. Ca. 15 Jahre lang ist diesem Konvolut nichts mehr hinzugefügt worden. Trotzdem bediene ich mich darin immer mal wieder, bis heute. Manchmal kommt es mir so vor, als hätten sich diese Bilder mit der Zeit verändert, – obwohl ihr Bestand immer gleich geblieben ist. Aber nicht die Bilder, sondern meine Sichtweise hat sich geändert. 

 

Ähnlich verhält es sich mit den Fotoabzügen und -ausdrucken, die zusammen mit anderen Dingen an den Wänden des oberen Raums installiert sind. Sie sind allerdings teilweise noch älter, und das Äquivalent zum digitalen Ordner Holz und Brot sind in Bezug auf dieses Material analoge Schachteln. Einige der Fotos daraus sind Abbilder früher Ergebnisse von Experimenten mit trocknenden Flüssigkeiten oder auch s/w-Fotogramme, die direkt in der Dunkelkammer entstanden sind. Andere Bilder zeigen Details eigener Kunstinstallationen, urbane Situationen oder Beichtstühle, die ich seit einigen Jahren in verschiedenen Kirchen aufgenommen habe. 

 

Jeden Mensch begleiten Dinge und Bilder seines Lebens, – zeit seines Lebens. Was macht man daraus? Die Ausstellung Holz und Brot und Zeit stellt einen individuellen Versuch dar, mittels derartiger Bilder den Bedingungen der menschlichen Existenz visuell näher zu kommen, Zusammenhänge und Querverweise zu bemerken. Als aktivierte Verbindlichkeit von Bildern hat das eine generelle Dimension: eine gegenwärtige, künstlerische Wiederbelebung vergangener, aber nicht toter Inhalte. Und dies im Gegensatz zu populären Bildwelten, die in letzter Konsequenz eher entfremdend wirken. 

So erklären sich auch die für die Ausstellung neu entstandenen Objekte, die gleichzeitig Bild und Rahmen sind: wie dreidimensionale Portale, die Altes neu zusammenfügen, damit es sich der Zukunft öffnet. Denn im Gegenstand liegt eine umfassendere Möglichkeit des Begreifens als im Digitalen.

Oliver Ross

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