Die wahre Geschichte über den Regen
von Haina
Buch Release und Ausstellung: 12. Dezember 2009 | 19 Uhr
Haina hat Dinge gesehen, die kein normaler Mensch glauben würde.
Die neusten Bands aus Berlin, altruistische Streichhölzer, sprechende
Pommes, Typen im Cafe, sogar Schallplatten aus Teig. Stimmt natürlich
nicht. Oder doch? Zumindest hat er diese und andere Beobachtungen in
sprechenden Bildern festgehalten. Zwar wird der Dj und
Gelegenheitszeichner aus Hamburg bereits seit Jahren bekniet, doch
einmal eine abendfüllende Comicgeschichte zu produzieren. Statt dessen
hat er immer wieder Cartoons gezeichnet, diese in verschiedenen
Programmheften, Fanzines und auf zahlreichen Flyern publiziert. Die
losen Blätter und Schmierzettel, die ohne die vorliegende Sammlung
ungeordnet in des Zeichners Kinderzimmer herumflögen, sind nun endlich
durch verlegerische Hand in Konstellation gebracht.
Haina ist in seinem humoristischen Werk der Entscheidung zwischen Kunst
und Massenware sichtlich enthoben, zelebriert eine spleenige Komik, die
sich vordergründig in jeder Plattheit gefällt. Die Aufforderung zum
Schenkelklopfen ist aber so augenfällig, dass man dann doch wieder
lacht. Von solchen Pointen wird sich mancher an der Nase herumgeführt
fühlen, und das mit einigem Recht. Man braucht doch, gerade heutzutage,
Drama, Weltuntergang, unheilbare Krankheit! Hainas Zeichnungen aber
verhalten sich zum Alltag minimalistisch, wie ein leichter Schnupfen.
Bleibende Schäden lassen sich ausschliessen, Form und Inhalt sind in
kurzatmigem Fluss, sekret und flüchtig, wie Tränen im Regen.
Sascha Hommer












































18.12.2009 SUSANNE MEWING
EMÄNNÄEN TITOKIRJA (P-Z))
Erzählen von den flüchtigen Zwischenzuständen, von dem, was im Moment des Erscheinens vielleicht fast schon wieder am Schwinden ist und oberflächlich betrachtet unwichtig erscheint: Das ist das Anliegen der Zeichnerin Susanne Mewing. Zwischenmomente: das sind die privaten “Fluchten“, in denen unsere Alltagsroutine unterbrochen ist, unbeobachtete, fast intime Momente, die außerhalb des Funktionierens und des tätigen in-der-Welt-Seins liegen: Wir machen zwischen zwei Tätigkeiten nichts, sind ohne Rolle. Diese Momente “ereignen“ sich beim zu “Luft kommen“, vielleicht auch bei etwas so Nebensächlichem wie dem Schneiden der Nägel, wenn sich Kopf und Ratio ausklinken. Plötzlich hört und sieht man anders, alles verschiebt sich – wir tauchen ein in ein paradox gesteigertes Gefühl des unwirklich-Wirklichen. Diese kleinen Augenblicke, denen die Arbeiten von Susanne Mewing verpflichtet sind, sind von einer Tonalität, einer Stimmung, einem Geruch, Licht oder Traumartigem getragen. Im äußerst zerbrechlichen Ereignis des entäußert-Seins, des woanders-Seins, im Ek-statischen waren wir – womöglich – aber auch ganz bei uns. Von dieser Spannung erzählen die Bilder der Künstlerin. Es sind Momente, in denen man wie eine zarte Prinzessin buchstäblich auf der Klinge tanzt, dem Durchbruch oder Absturz ganz nah. Manchmal eröffnet sich im Alltag diese Zwischen-Zone des Ek-statischen, der in der Erinnerung oft etwas Allgemeingültiges und Wahres anhaftet.